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Überarbeiteter BayKiBiG-Entwurf: Erhöhte Sockelförderung ist ein wichtiger Schritt – strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen

Die Reform des BayKiBiG wird die Rahmenbedingungen frühkindlicher Bildung in Bayern langfristig prägen – und damit auch die Zukunft kleiner, spezialisierter und gemeinnütziger Träger. Als Landesverband stehen wir hierzu bereits im Austausch mit politischen Akteurinnen und Akteuren sowie fachlichen Ansprechpartnern, um die Perspektiven von Wald- und Naturkindergärten sichtbar zu machen und die besonderen strukturellen Herausforderungen unserer Einrichtungen in die Diskussion einzubringen.

Dabei zeigt sich zunehmend: Politische Sichtbarkeit entsteht nicht allein auf Landesebene, sondern auch durch viele persönliche Kontakte, Gespräche und Netzwerke vor Ort. Deshalb möchten wir ausdrücklich auch unsere Mitglieder ermutigen, bestehende Kontakte in Politik, Verwaltung, Fachgremien oder kommunale Strukturen aktiv zu nutzen und das Thema dort anzubringen.

Als Landesverband verstehen wir uns als gemeinsame Stimme unserer Einrichtungen – und jedes einzelne Mitglied trägt dazu bei, diese Stimme stärker und hörbarer zu machen. Wenn ihr bereits Kontakte zu relevanten Stellen habt oder Gespräche anstoßen könnt, freuen wir uns sehr, wenn ihr uns mit ins Boot holt oder den Austausch vermittelt.

Herzlichen Dank für eure Unterstützung, euer Engagement und eure Mithilfe. Wir arbeiten weiterhin daran, die Anliegen der Wald- und Naturkindergärten in Bayern fachlich fundiert und politisch sichtbar zu vertreten.

Im Folgenden findet ihr unsere aktuelle Stellungnahme zur BayKiBiG-Reform:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir begrüßen ausdrücklich, dass im aktuellen Gesetzentwurf zur Reform des BayKiBiG zentrale Kritikpunkte kleiner Einrichtungen aufgegriffen wurden. Insbesondere die Einführung einer erhöhten Sockelpauschale für kleinere Einrichtungen zeigt, dass die strukturellen Herausforderungen kleiner Träger grundsätzlich erkannt wurden.

Gleichzeitig möchten wir darauf hinweisen, dass die vorgesehenen Anpassungen aus Sicht vieler kleiner und spezialisierter Einrichtungen noch nicht ausreichen, um die tatsächlichen strukturellen Herausforderungen nachhaltig zu lösen. Gerade für Wald- und Naturkindergärten liegt der erhöhte Bedarf nicht primär im Bereich hauswirtschaftlicher, administrativer oder assistenzbezogener Tätigkeiten, sondern im Bereich qualifizierten pädagogischen Personals. Die Arbeit im Naturraum ist mit erhöhten Anforderungen an Aufsicht, Sicherheit, Flexibilität und pädagogische Begleitung verbunden. Diese strukturellen Rahmenbedingungen werden im derzeitigen Finanzierungssystem weiterhin nicht ausreichend abgebildet.

Besonders kritisch ist aus unserer Sicht, dass die erhöhte Sockelförderung an die Teamkräftepauschale gekoppelt bleibt. Viele kleine Wald- und Naturkindergärten verfügen weder über zusätzliche Verwaltungsstrukturen noch über finanzielle Spielräume, um zusätzliche Teamkräfte vorzuhalten. Die tatsächliche Herausforderung besteht vielmehr darin, qualifizierte Fachkräfte refinanzieren zu können, die die pädagogische Arbeit im Naturraum tragen. Mit der Integration bisheriger Förderinstrumente wie Personalbonus und Assistenzkraftförderung in die neue Systemlogik verlieren zahlreiche kleine Einrichtungen zudem planbare und unmittelbar wirksame Refinanzierungsinstrumente. Dies betrifft insbesondere Elterninitiativen und kleine gemeinnützige Träger, die oftmals weder kommunale Defizitausgleiche noch freiwillige Zusatzförderungen erhalten und bereits heute in hohem Maß auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sind.

Aus unserer Sicht bleibt die Reform trotz wichtiger Ansätze weiterhin stark auf Pauschalierung und Skalierung ausgerichtet. Dadurch entstehen strukturelle Vorteile für größere und standardisierte Einrichtungen, während personalintensive, qualitätsorientierte und spezialisierte pädagogische Konzepte nur unzureichend abgebildet werden.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für fachlich und strukturell erforderlich, ergänzende Zuschlagsmechanismen für Einrichtungen mit erhöhtem Fachkraft- und Qualitätsbedarf vorzusehen. Dies sollte ausdrücklich nicht ausschließlich für Wald- und Naturkindergärten gelten, sondern grundsätzlich für pädagogische Konzepte mit nachweislich erhöhten qualitativen, organisatorischen oder personellen Anforderungen. Eine solche Systematik würde die notwendige Trägervielfalt sichern und zugleich die Innovationsfähigkeit der frühkindlichen Bildungslandschaft stärken.

Darüber hinaus sehen wir weiterhin erheblichen Anpassungsbedarf bei der Ausgestaltung der Funktionsstellen und Fachberatung. Die geplante Mittelverteilung birgt das Risiko asymmetrischer Zugänge zulasten freier und kleiner Träger. Gleichzeitig erscheint es aus fachlicher Sicht sinnvoll, Beratung und Aufsicht stärker voneinander zu entkoppeln und Fachberatung konzeptionell differenzierter auszurichten. Spezialisierte pädagogische Settings benötigen fachlich passgenaue Beratungssysteme, die ihre jeweiligen Rahmenbedingungen tatsächlich abbilden können.

Wir möchten daher nochmals eindringlich darauf hinweisen, dass die langfristige Sicherung der Trägervielfalt wesentlich davon abhängen wird, ob es gelingt, kleine und spezialisierte Einrichtungen innerhalb der neuen Finanzierungslogik strukturell mitzudenken. Ohne entsprechende Nachsteuerung besteht die reale Gefahr, dass insbesondere kleinere Einrichtungen wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten und langfristig aus dem System verdrängt werden.

Für den weiteren fachlichen Dialog stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Landesverband Wald- und Naturkindergärten in Bayern e.V.