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Stellungnahme Kinderstartgeld

Als Landesverband der Wald- und Naturkindergärten in Bayern e.V. vertreten wir die Interessen unserer Mitglieder aktiv gegenüber Politik und Verwaltung. Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, das geplante Kinderstartgeld nicht einzuführen und die vorgesehenen Mittel stattdessen in die Finanzierung der Kindertagesbetreuung zu lenken, betrifft das System der frühkindlichen Bildung unmittelbar – und damit auch Wald- und Naturkindergärten.

Wir haben diese Entscheidung zum Anlass genommen, eine fachlich fundierte Stellungnahme zu erarbeiten. Darin benennen wir klar, unter welchen Voraussetzungen die Umschichtung der Mittel tatsächlich zu mehr Qualität, Planungssicherheit und struktureller Stabilität führen kann, und wo aus unserer Sicht Risiken bestehen – insbesondere für freie, gemeinnützige Träger sowie für Familien.

Unsere Stellungnahme

Unsere zentrale Botschaft ist klar: Zusätzliche Mittel entfalten nur dann Wirkung, wenn sie gezielt in Qualität, verlässliche Strukturen und Planungssicherheit investiert werden. Wald- und Naturkindergärten leisten einen anerkannten und wichtigen Beitrag zur Bildungsvielfalt in Bayern. Damit sie diesen auch künftig leisten können, braucht es auskömmliche Finanzierung, klare Perspektiven und einen strukturierten Dialog mit der Politik.

Wir verstehen uns dabei ausdrücklich als konstruktiver Partner und bringen unsere fachliche Expertise aktiv in den weiteren Prozess ein.

Hier unsere Stellungnahme:

Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, das Kinderstartgeld nicht einzuführen und die vorgesehenen Mittel stattdessen in die Kita-Finanzierung zu lenken, setzt ein relevantes Signal: Frühkindliche Bildung rückt stärker in den Fokus, und es entsteht grundsätzlich die Chance, bestehende Strukturen zu stabilisieren. Als Landesverband der Wald- und Naturkindergärten in Bayern e.V. begrüßen wir ausdrücklich, dass zusätzliche Mittel in das System fließen sollen. Gleichzeitig halten wir fest: Diese Entscheidung entfaltet nur dann Wirkung, wenn sie jetzt konsequent in einen klaren, belastbaren und zukunftsfesten Reform- und Finanzierungsplan überführt wird.

Die Anhebung der Betriebskostenförderung auf 80 Prozent ist ein Schritt in die richtige Richtung, reicht in der Praxis jedoch nicht aus. Insbesondere kleine, gemeinnützige Träger sowie Natur- und Waldkindergärten stehen angesichts steigender Personal-, Sach- und Verwaltungskosten weiterhin unter erheblichem Druck. Eine Förderquote von mindestens 90 Prozent ist aus unserer Sicht kein Luxus, sondern eine zentrale Voraussetzung für Planungssicherheit, Qualitätserhalt und langfristige Betriebssicherheit. Ohne eine solche Perspektive bleibt die strukturelle Unterfinanzierung bestehen – mit allen bekannten Folgen für Träger, Fachkräfte und Familien.

Parallel dazu beobachten wir mit Sorge die dynamisch steigenden Elternbeiträge in Kitas und Krippen. Für viele Familien sind die Kosten bereits heute kaum noch tragbar. Die Konsequenz ist absehbar: Buchungszeiten werden reduziert, Betreuungsumfänge sinken, und nicht selten bleibt ein Elternteil – meist die Mutter – gezwungenermaßen zuhause. Diese Entwicklung konterkariert zentrale familien- und gleichstellungspolitische Ziele. Vor diesem Hintergrund besteht die reale Gefahr, dass der Wegfall des Kinderstartgeldes die verfügbaren Mittel der Familien weiter reduziert und Buchungszeiten zusätzlich zurückgehen. In diesem Szenario würden die umgeschichteten Mittel zwar formal ins System fließen, ihre Wirkung jedoch verpuffen.

Gerade deshalb braucht es jetzt Transparenz und Verlässlichkeit. Was wir fordern, ist ein nachvollziehbarer Reformfahrplan, der offenlegt, wie die Mittel konkret eingesetzt werden, welche Prioritäten gesetzt werden und welche Qualitätsziele damit erreicht werden sollen. Aktuell ist die Planungsunsicherheit für viele Träger hoch – verbindliche Aussagen zur weiteren Entwicklung der Finanzierung, insbesondere zur Perspektive einer 90-prozentigen Förderung, fehlen bislang. Ohne diese Klarheit bleibt strategische Weiterentwicklung kaum möglich.

Wesentlich ist zudem, dass Familien und Einrichtungen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Frühkindliche Bildung funktioniert nur im Zusammenspiel. Eine solide Kita-Finanzierung stärkt Eltern und Einrichtungen gleichermaßen. Die öffentliche Debatte der vergangenen Wochen hat gezeigt, wie schnell der Eindruck entsteht, einzelne Gruppen würden auf Kosten anderer profitieren. Diesen Eindruck gilt es aktiv zu vermeiden und die Reform als gemeinsame Zukunftsaufgabe zu gestalten.

Damit die zusätzlichen Mittel tatsächlich einen Qualitätsschub auslösen, müssen sie gezielt in zentrale Qualitätsfaktoren fließen: in qualifiziertes und ausreichend verfügbares Personal, in verlässliche Leitungszeit, in wirksame Fachberatung, in transparente und verbindliche Standards sowie in Fort- und Zusatzqualifizierungen. Ebenso notwendig ist eine spürbare Entlastung der Elternbeiträge dort, wo die Belastungen zuletzt besonders stark gestiegen sind. Nur wenn diese Hebel konsequent adressiert werden, kann das System nachhaltig stabilisiert werden.

Für Natur- und Waldkindergärten eröffnen sich dabei wichtige Entwicklungsperspektiven. Unsere Einrichtungen verfügen über ein eigenständiges pädagogisches Profil mit hoher Akzeptanz bei Familien und Kommunen. Eine auskömmliche und verlässliche Finanzierung ist die Voraussetzung dafür, dass dieser innovative Bildungsansatz weiter wachsen, Qualität sichern und seine Stärken wirksam in das Gesamtsystem einbringen kann.

Wir wollen diesen Prozess konstruktiv begleiten und sind bereit, unsere fachliche Expertise aktiv einzubringen. Unser Anspruch ist es, Teil eines strukturierten Dialogs zu sein und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.