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Rückblick auf den Internationalen Waldkindergartentagung in Berlin – Vier Tage voller Inspiration, Begegnung und Rückenwind für unsere Arbeit im Wald

Wir waren im November als Landesverband Bayern beim Internationalen Kongress des Bundesverbands der Natur- und Waldkindergärten (BvNW) in Berlin. Vier Tage, in denen deutlich wurde, wie viel Kraft in unserer gemeinsamen Bewegung steckt – und wie sehr Waldkindergärten weltweit an Bedeutung gewinnen.

Freitag: Mitgliederversammlung – Veränderungen, die jetzt Gestalt annehmen

Zum Auftakt trafen sich die Mitglieder des BvNW zur jährlichen Versammlung. Auch der Bundesverband steht vor wichtigen Veränderungen: Eine Satzungsüberarbeitung ist auf den Weg gebracht, und es beginnt ein geordneter Generationswechsel im Vorstand.
Gesucht wird eine Person, die sich einarbeiten lässt und die Verantwortung Schritt für Schritt übernehmen kann – damit Wissen, Erfahrung und Netzwerke auch in Zukunft stabil bleiben.

Viele Landesverbände – auch wir in Bayern – stehen vor ähnlichen Transformationsprozessen. Es ist schön zu sehen, dass wir diesen Weg nicht allein gehen.

Samstag bis Montag: Internationale Impulse und praxisnahe Workshops – der Wald als weltweite Bewegung

Die folgenden Tage waren geprägt von Vorträgen, Austausch und Workshops. Der Kongress zeigte eindrücklich, dass Naturraumpädagogik längst ein globales Thema ist. Überall auf der Welt suchen Menschen nach Wegen, Kindern echte Naturerfahrungen zu ermöglichen – als Quelle von Gesundheit, Kreativität, Verbundenheit und Widerstandskraft.

Gerald Hüther: Was Kinder brauchen, um wachsen zu können

Der Hauptvortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther war für viele eines der Highlights – nicht nur, weil er kaum noch Vorträge hält, sondern weil er präzise benennt, worum es in unserer Arbeit eigentlich geht.

Er erinnerte uns daran, dass jedes Kind mit zwei Grundbedürfnissen ins Leben startet:
Verbundenheit und Freiheit zur eigenen Gestaltung.

Er stellte heraus:

Seine Botschaft an uns war klar:
Wir müssen für die Bedingungen sorgen, in denen Kinder sich sicher fühlen – aber frei genug sind, ihre eigene Kraft zu entdecken.
Und wir PädagogInnen können andere nur stärken, wenn wir selbst gut mit uns umgehen.

Internationale Perspektiven: Wie Naturpädagogik weltweit gelebt wird

Schottland – Dr. Elizabeth Henderson

Sie machte deutlich, dass wir mit unserem Lebensstil 1,7 Planeten verbrauchen – und dass die Antwort darauf nicht in Technik liegt, sondern in einer Haltung.
Wonder und curiosity – Staunen und Neugier – sind für sie der Schlüssel, um wieder in eine wahrhaftige Beziehung zur Erde zu kommen.

Finnland – Ulla Myllyniemi

Sie brachte praktische Modelle aus der finnischen Outdoor Education mit und zeigte, dass Naturbildung kein starres Konzept ist, sondern sich – wie ein Rezept am Lagerfeuer – jeden Tag neu zusammensetzt.

Israel – Ron Meltzer

Er sprach über naturpädagogische Arbeit im Kontext von Krieg und Unsicherheit. Über die Kraft einfacher Naturerfahrungen, die traumatisierten Erwachsenen helfen, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.

Hauptvortrag: Deutschland – Michael Bauer

Er machte deutlich, wie eng Beziehung, Resonanz und Biologie miteinander verbunden sind.
Soziale Ausgrenzung aktiviert dieselben Hirnareale wie körperlicher Schmerz. Und Kinder brauchen „Awe“-Momente, echtes Staunen – etwas, das in der Natur fast selbstverständlich passiert.

Japan – Dr. Hiroe Kido

Sie gab einen spannenden Überblick über die Entwicklung der Waldkindergärten in Japan. Viele Gemeinden haben inzwischen eigene Konzepte für mehr Naturerlebnisse entwickelt.

USA – Emily Bryce

In Washington State werden naturbasierte Einrichtungen für neurodivergente Kinder von der Krankenversicherung unterstützt – ein starkes Signal dafür, wie wirksam Natur als Co-Therapeut sein kann.

Türkei – Iskender Yildirim

Er beschrieb den kulturellen Wandel in der Türkei: von „Kinder sollen nicht schmutzig werden“ zu „Wann gehen wir heute in den Wald?“. Gleichzeitig stellte er die Frage, warum in Deutschland so wenige türkischstämmige Familien den Weg in den Waldkindergarten finden – ein Thema, das auch uns betrifft.

Podiumsdiskussion: Digitalisierung – und wohin wir als Gesellschaft zurückkehren müssen

Die Diskussion zeigte sehr klar, dass skandinavische Länder bereits einen Schritt zurückgehen: weg von Tablets im Kindergarten, zurück zu Büchern, Erleben, Körperlichkeit.

Risiken, die diskutiert wurden:

Für uns heißt das:
Digitale Mündigkeit entsteht nicht durch frühe Bildschirmnutzung – sondern durch solide sensomotorische Erfahrungen im echten Leben.
Der Wald ist dafür der ideale Lernraum.

Workshops: Von Biodiversität bis Rechtssicherheit – ein Füllhorn an Praxistools

Die Workshops waren vielfältig und geerdet: Wildpflanzen kennenlernen, Resilienz durch Bewegung stärken, Tiny Forests anlegen, Waldhorte kennenlernen, rechtliche Stolperfallen in Kitas erkennen, Räucherwerk herstellen, Naturmentoring, Waldklassen, Liederwerkstätten und vieles mehr.

Es war spürbar:
Unsere PädagogInnen holen sich hier das Werkzeug ab, das sie am Montag wieder direkt in der Gruppe einsetzen können.

Montag: Hospitationen – Lernen von der Praxis

Am letzten Tag konnten wir Waldkindergärten, einen Waldhort und eine Waldschule besuchen.
Diese Einblicke zeigten erneut, wie unterschiedlich Einrichtungen sein können – und wie ähnlich die Haltung, die alles trägt:
Vertrauen ins Kind, Beziehung, Natur, Selbstwirksamkeit.

Was wir mitnehmen – für unseren Verband und für Eure Arbeit draußen

Der Kongress hat uns bestärkt:
Wir sind Teil einer internationalen Bewegung. Und das, was ihr in euren Waldstücken jeden Tag leistet, ist relevanter denn je.

Für uns als Landesverband bedeutet das:

  1. Strukturen weiter stabilisieren – damit PädagogInnen verlässliche Rahmenbedingungen haben.
  2. Naturraumpädagogik als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen positionieren – von Resilienz bis Nachhaltigkeit.
  3. Globale Impulse lokal nutzbar machen – in unseren bayerischen Kitas, Horten und Schulen.

Zum Weiterlesen

Mehr Materialien, Programm und Hintergründe findet ihr beim Bundesverband:

www.bvnw.de

Abschluss – Ein leiser, aber kraftvoller Gedanke

Wir können die Welt nicht im Alleingang verändern.
Aber wir können hier anfangen – in unseren Regionen, in unseren Einrichtungen, mit unseren Kindern.

Überall auf der Welt kommt Bewegung ins Spiel.
Und uns alle verbindet etwas, das stärker ist als jede Methode:
die Liebe zur Natur und der Wunsch, Naturverbundenheit weiterzugeben.

Ihr seid Teil dieser Bewegung.
Danke, dass ihr draußen seid – bei Wind, Wetter und allem dazwischen.