Manchmal braucht es gar keine große Veranstaltung, um mit vielen neuen Ideen nach Hause zu gehen. Das Regionaltreffen der Wald- und Naturkindergärten in Mittelfranken hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der persönliche Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ist. Zunächst möchten wir uns ganz herzlich bei den Organisatorinnen und Organisatoren bedanken, die das Treffen im größten Sandkasten Nürnbergs vorbereitet haben. Und bei den anonymen KuchenbäckerInnen für den leckeren süßen Bissen. Besonders schön fanden wir die unkomplizierte Idee, dass jede und jeder einfach etwas zum gemeinsamen Buffet mitbringt. So verteilt sich der Aufwand auf viele Schultern – eine einfache Lösung, die die Organisation deutlich erleichtert und gleichzeitig für eine gemütliche Atmosphäre sorgt.
Dieses Mal waren wir eine kleine Runde. Gerade das erwies sich als großer Vorteil: Es blieb viel Zeit für intensive Gespräche, Nachfragen und den gemeinsamen Blick auf Herausforderungen, die viele Waldkindergärten beschäftigen. Bereits auf dem Weg zum Platz entwickelten sich spannende Gespräche. Wie viele Voll- und Teilzeitkräfte arbeiten eigentlich in den einzelnen Einrichtungen? Wie gelingt Kontinuität im Team? Wie lange gibt es den jeweiligen Waldkindergarten bereits? Welche Trägerformen haben sich bewährt – klassische Elterninitiativen, Vereine oder andere Modelle? Schnell wurde deutlich, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen der einzelnen Einrichtungen sind.
Auch der Veranstaltungsort machte dies eindrucksvoll sichtbar. Obwohl viele Waldkindergärten in Mittelfranken nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, unterscheiden sich ihre Natur- und Waldflächen erheblich. Während manche Einrichtungen in dichtem Wald unterwegs sind, prägen hier Sanddünen und offene Waldlandschaften den Alltag. Jeder Waldkindergarten entwickelt dadurch seinen ganz eigenen Charakter – und genau diese Vielfalt macht den Austausch so spannend.
Der Landesverband stellte die neue Jobbörse auf der Website vor. Ab sofort können dort Stellenangebote veröffentlicht werden. An weiteren Angeboten die im Zuge der Professionalisierung entstehen, wird gerade gearbeitet und bald erfahrt ihr mehr dazu.
Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch viele Gespräche: Der Wald verändert sich. In Franken sterben aufgrund von Hitze und Trockenstress zunehmend Bäume ab. Besonders Kiefern sind stark betroffen. Gleichzeitig mussten viele Einrichtungen nach dem starken Wintereinbruch mehrere Wochen in ihre Notunterkünfte ausweichen, weil beschädigte Bäume zunächst entfernt und Waldflächen gesichert werden mussten. Diese Veränderungen sind für Waldkindergärten unmittelbar erlebbar. Sie betreffen nicht nur die Sicherheit auf den Plätzen, sondern verändern langfristig ganze Ökosysteme. Wenn großflächig Bäume gefällt werden, hat das Auswirkungen auf Brutplätze von Vögeln, auf Insekten und letztlich auf das gesamte ökologische Gleichgewicht und den Kindergarten-Alltag, wenn Schattenbäume plötzlich fehlen.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner. Viele Fragen standen im Raum:
Neben fachlichen Informationen wurden zahlreiche praktische Erfahrungen ausgetauscht. Diskutiert wurden beispielsweise das weiträumige Umgehen betroffener Bereiche, das Entfernen der Gespinste durch Fachfirmen sowie kreative Ideen wie Schaffelle oder andere Materialien, die an betroffenen Bäumen angebracht werden können, um die Prozessionen vom besiedeln des Baumes abzuhalten. Am Ende blieb auch eine wichtige Erkenntnis: Wir sind Gäste im Wald. Nicht jede Herausforderung lässt sich vollständig beseitigen. Oft geht es darum, Risiken realistisch einzuschätzen, aufmerksam zu bleiben und den Umgang mit der Natur verantwortungsvoll zu gestalten.
Auch der Klimawandel verändert den Alltag in Waldkindergärten spürbar. Gemeinsam wurden zahlreiche Ideen gesammelt, wie Einrichtungen mit immer heißeren Sommertagen umgehen können:
Ebenso wurde über Gewitter, Sturm und andere Wetterlagen gesprochen. Wetter-Apps sind wichtige Hilfsmittel, ersetzen jedoch niemals die kontinuierliche Beobachtung der tatsächlichen Situation vor Ort. Interessant war auch der Blick ins Ausland: In einigen Ländern werden zusätzlich Ozon- und UV-Belastungen berücksichtigt und Aufenthalte im Freien entsprechend angepasst. Solche Erfahrungen könnten künftig auch für deutsche Waldkindergärten zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Für Tage in Notunterkünften entstanden ebenfalls viele schöne Ideen: Bibliotheksbesuche, Puppentheater, kleine Busausflüge in die Stadt, um einfach mal eine Brezel einzukaufen oder besondere Spielkisten für Schlechtwetter- oder Hitzetage machen aus außergewöhnlichen Situationen oft sogar besondere Erlebnisse. Und manchmal sind es gerade die kleinen Ideen, die lange in Erinnerung bleiben – beispielsweise mit Wasserfarben Bilder in den Schnee zu malen.
Ein weiterer großer Themenblock war die Verabschiedung der Vorschulkinder. Wie unterschiedlich Waldkindergärten ihre Abschlusszeit gestalten, zeigte sich eindrucksvoll:
Ob großes mehrwöchiges Vorschulprogramm oder eine kleine gemeinsame Abschlussaktion – jede Einrichtung kann ihren eigenen Weg finden. Genau solche Ideen machen Regionaltreffen so wertvoll: Man nimmt Anregungen mit, die sich individuell an die eigene Situation anpassen lassen.
Am Ende wurde einmal mehr deutlich, wie viel Wissen bereits in unseren Einrichtungen vorhanden ist. Niemand muss das Rad neu erfinden. Oft genügt ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, um neue Perspektiven zu gewinnen oder eine praktische Lösung für den eigenen Alltag mitzunehmen. Gerade dieses gemeinsame Nachdenken, Diskutieren und Philosophieren schafft etwas, das keine Internetrecherche ersetzen kann: Es verbindet Menschen, stärkt Netzwerke und schafft Vertrauen.
Deshalb möchten wir alle Wald- und Naturkindergärten ermutigen, selbst Regionaltreffen zu initiieren. Der Landesverband unterstützt euch gerne dabei. Wir veröffentlichen euren Termin auf unserer Website, kündigen ihn in unserem Newsletter an und helfen euch bei Bedarf auch bei der Organisation. Und falls euch der organisatorische Aufwand Sorgen macht: Macht es einfach unkompliziert. Ein Mitbring-Buffet, ein schöner Platz im Wald und interessierte Menschen reichen oft schon aus, um einen bereichernden Nachmittag zu gestalten.
Wir freuen uns über jede Initiative und darauf, eure Berichte, Fotos und Erfahrungen anschließend auch mit der gesamten Waldkindergarten-Gemeinschaft zu teilen.

Mittwoch, 14. Oktober 2026, 16:00–18:00 Uhr bei den Pfifferlingen in Erlangen. Weitere Informationen und die Anmeldung werden rechtzeitig auf der Website des Landesverbands unter Termine veröffentlicht.