Vorbereitungen zur BayKiBiG-Anhörung: Vernetzung, Perspektivwechsel und gemeinsame Verantwortung
Im Vorfeld der Anhörung zur BayKiBiG-Reform haben wir uns nicht nur intensiv mit dem Gesetzentwurf beschäftigt und zahlreiche Berechnungen zu den Auswirkungen auf unterschiedliche Einrichtungsformen durchgeführt. Ebenso wichtig war für uns der Austausch mit anderen Sachverständigen und Verbänden, die ebenfalls zur Anhörung geladen waren.
Gespräche führten wir unter anderem mit dem Landesverband Kindertagespflege Bayern, dem Bayerischen Städtetag, der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Bayern (LAGE), dem Verband Kita-Fachkräfte Bayern sowie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern.
Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte sichtbar:
- Der Verband Kita-Fachkräfte Bayern setzt sich insbesondere für bessere Rahmenbedingungen, ausreichende Verfügungszeiten, kleinere Gruppen und eine nachhaltige Qualitätsentwicklung ein. Unser Gespräch hat gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Fachkräfte-, Träger- und Verbandsvertretungen sein kann. Wer die Perspektive des Verbands näher kennenlernen möchte, findet den Bericht zum gemeinsamen Austausch auf der Website der Kita-Fachkräfte und auf deren Social Media Kanälen.
- Die LAGE Bayern sieht insbesondere für kleinere Einrichtungen weiterhin finanzielle Risiken und hinterfragt, ob die vorgesehenen Förderinstrumente ausreichend greifen. Dabei wurde deutlich, dass viele Herausforderungen trägerübergreifend bestehen und gemeinsame Anliegen aus unterschiedlichen Perspektiven formuliert werden.
- Der Landesverband Kindertagespflege Bayern befürchtet, dass Änderungen bei der Förderung die Kindertagespflege langfristig schwächen könnten. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass einzelne Wald- und Naturkindergärten von diesen Regelungen ebenfalls betroffen sind. Der Austausch verdeutlicht, wie wichtig eine starke Vernetzung und Interessenvertretung ist, um auch solche Schnittstellenthemen frühzeitig zu identifizieren und fachlich begleiten zu können.
- Der Bayerische Städtetag beschäftigt sich insbesondere mit Fragen der Finanzierungsdynamik, der kommunalen Belastung sowie der praktischen Umsetzbarkeit der Reform. Auch wenn der Austausch aufgrund der engen Zeitplanung und der bevorstehenden Ferienzeit nur in begrenztem Umfang möglich war, erwies er sich als äußerst wertvoll. Gerade der offene Dialog zwischen kommunaler Ebene und Fachverbänden trägt dazu bei, die Auswirkungen gesetzlicher Änderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
- In einem Gespräch vor Ort während der Anhörung betonte der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern die Vorteile einer arbeitsteiligen Interessenvertretung. Unterschiedliche Verbände bringen unterschiedliche Schwerpunkte und Fachkompetenzen ein. Während der Paritätische ein breites Spektrum an Trägern vertritt, sehen wir unsere besondere Aufgabe darin, die spezifischen Belange von kleinen Einrichtungen in die fachpolitische Diskussion einzubringen. Gerade diese Ergänzung unterschiedlicher Perspektiven schafft Mehrwert für das gesamte Feld der Kindertagesbetreuung.
Auch wir haben unsere Expertise eingebracht. Neben unserer Stellungnahme zur Verbändeanhörung haben wir zahlreiche Modellrechnungen zu den Auswirkungen der Reform auf unterschiedliche Einrichtungsgrößen erstellt. Für die Expertenanhörung wurden zusätzlich die Effekte des erhöhten Sockelbeitrags für verschiedene Szenarien simuliert.
Die Gespräche haben gezeigt: Gute Interessenvertretung entsteht nicht durch Konkurrenz, sondern durch Austausch, Perspektivwechsel und gegenseitige Wertschätzung. Jeder Verband bringt seine eigene Fachlichkeit und Erfahrung ein. Gerade diese Vielfalt ermöglicht es, Herausforderungen differenziert zu betrachten, gemeinsame Anliegen zu identifizieren und politische Forderungen wirkungsvoll zu ergänzen.
Wir bedanken uns bei allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern für den konstruktiven Austausch und freuen uns darauf, die Zusammenarbeit auch künftig fortzusetzen.
Ein ausführlicher Bericht zur Anhörung und den dort diskutierten Inhalten folgt in einem weiteren Beitrag.
12. Juni 2026